Die so genannte „Trennkost“ ist keine Diät im herkömmlichen Sinn, sondern eine Ernährungsumstellung nach der Theorie des New Yorker
Arztes Dr. Howard Hay aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Sie wird in ihrer Grundform häufig auch als Hay'sche Trennkost bezeichnet,
aus der sich bis heute neuere Formen wie die KFZ-Diät und die Insulin-Trennkost entwickelten.
Als Grundlage für die Entwicklung der Diät sah Hay den Ursprung der heute verbreiteten Zivilisationskrankheiten, darunter zählen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gicht und viele andere, in einer Übersäuerung des Körpers. Diese Übersäuerung soll ihren
Ursprung in einer Fehlernährung haben, die aus der Kombination von kohlenhydrathaltigen Speisen mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln herrühren sollen.
Hay vertritt dabei die Meinung, dass der menschliche Organismus beide Nahrungsarten nicht gemeinsam verdauen könne, was zu
unerwünschten Gärprozessen im Dünndarm führen soll. Diese wiederum würden in entsprechender Menge die so genannten
Zivilisationskrankheiten begünstigen. Eine getrennte Einnahme der Speisen könne wiederum Erkrankungen dieser Art lindern
und die Heilung angeblich vorantreiben.
Das Wissen um einige Nahrungsmittel (beispielsweise Hülsenfrüchte), die sowohl Eiweiße als auch Kohlenhydrate enthalten,
entgegnete Hay mit der Aussage, dass diese nicht für die Ernährung des Menschen geeignet seien und belegt seine Argumente
mit eigenen Erfahrungen, die er mit der Trennkost während seiner persönlichen Situation zwischen Übergewicht und einer
Nierenerkrankung machte. Das Prinzip, mit dem er seine eigene Ernährung umstellte, legte er auf alle anderen, auch gesunde Menschen, um.
Entsprechend teilt die Trennkost alle Nahrungsmittel in drei verschiedene Gruppen ein:
Als eiweißreiche Nahrungsmittel zählen dabei zum Beispiel Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Nüsse.
Zu der kohlenhydratreichen Gruppe werden unter anderem alle Getreideprodukte, Süßwaren, Kartoffeln und Nudeln,
aber auch einige Gemüsesorten.
Zusätzlich wird eine Gruppe von neutralen Nahrungsmitteln eingeteilt, die sowohl mit den basischen Nahrungsmitteln
(kohlenhydratreich) als auch mit den Säurebildnern (eiweißhaltige Zutaten) kombiniert werden können. Beispiele hierfür
finden sich in Salat, Gemüse, vielen Früchten sowie in hochwertigen Ölen.
Die Grundregel bei der Umsetzung der Trennkost ist, niemals Basenbildner (Kohlenhydrate) in Kombination mit
Säurebildnern zu verzehren. Da der Körper jedoch beides braucht, empfiehlt Hay's Trennkostlehre sowohl morgens
als auch abends Basenbildner zu verzehren, zur Mittagsmahlzeit den Säurebildnern Vorzug zu geben und jeweils
zwischen den Mahlzeiten einen Zeitraum von ca. vier Stunden für die Verdauung einzuhalten. Insgesamt sollte die
tägliche Nährstoffzufuhr auf ein Verhältnis von 4:1 zwischen Basenbildnern und Säurebildnern gebracht werden. Als
Zwischenmahlzeiten würden sich entsprechend nur neutrale Nahrungsmittel eignen.
Hay's These, dass nur unterschiedliche Verdauungssäfte für Eiweiße und Kohlenhydrate die Nährstoffzufuhr optimal
ausnutzen können, wird jedoch von der Ernährungsmedizin widerlegt. Selbst die Natur schließt Hay's Aussagen zu
einer „unnatürlichen und anerzogenen Ernährungsweise“ aus, da selbst die Muttermilch sowohl Eiweiße als auch Kohlenhydrate enthält.
Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ist bei einer strengen Umsetzung
der Trennkost nur schwer erreichbar. Besonderer Zufuhr bedürfen dabei Kalzium, Eisen, Magnesium, Folsäure sowie B-Vitamine.
Auch eine sportliche Betätigung wird in der ursprünglichen Trennkost nicht berücksichtigt und findet lediglich in
Weiterentwicklungen wie der KFZ-Diät ihren Platz, die jedoch nicht die Eiweiße von den Kohlenhydraten trennt,
sondern die Fette (KFZ=Kohlenhydrat-Fett-Zwischenmahlzeit).